Ausstellung · 12.–20. September 2026 · Garten am Springorum-Radweg, Bochum-Süd · Eintritt frei
7 Künstler:innen 9 Tage 5 Programmtermine 0 € Eintritt
Im Ruhrgebiet erzählen Gärten Migrationsgeschichte. Auf Grabeland, an Bahngleisen und auf Industriebrachen wurde Boden fruchtbar gemacht: Es wurde angebaut, gekocht, Wissen weitergegeben – und es entstanden Räume, in denen Menschen zu Hause sein konnten. Für die einen sah das improvisiert aus; heute würde man vieles davon nachhaltig nennen. Als in den 1990er-Jahren Logistik- und Industrieflächen wuchsen, mussten viele dieser Gärten weichen.
Im Vorfeld der Internationalen Gartenausstellung 2027 bleibt diese Geschichte weitgehend eine Leerstelle. Genau dort setzt G.A.R.T.E.N. – Leerstelle Migrantische Gärten an.
Vom 12. bis 20. September 2026 wird ein wilder Garten am Springorum-Radweg in Bochum-Süd zum Ausstellungsraum. Sieben Künstler:innen zeigen Arbeiten, die Gärten als Räume von Migration, Erinnerung, Selbstorganisation und Aushandlung befragen. Alles findet unter freiem Himmel statt, ohne Strom – der Ort ist Bedingung und Thema zugleich.
Die kuratorische Leitung liegt bei Hamide Sauer.
Die Künstler:innen
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Brigitte Kraemer · Fotografie
Brigitte Kraemer (*1954 in Hamm-Bockum-Hövel) ist freie Fotografin und Diplom-Designerin. Seit 1982 arbeitet sie unter anderem für Stern, Spiegel, Zeit Magazin und Brigitte. In ihren fotografischen Langzeitprojekten beschäftigt sie sich vor allem mit Migration, Religion und gesellschaftlichem Alltag im Ruhrgebiet. Zu ihren bekannten Arbeiten zählen „Türkische Gärten“, „So nah – so fern“ und „Auf der Schwelle – Leben im Frauenhaus“. Für ihre Reportagefotografie wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem LeadAward in Gold. Seit 2022 wird ihr fotografisches Lebenswerk vom Ruhr Museum auf Zeche Zollverein übernommen.
Alla Zhyvotova · Partizipative Performance
Alla Zhyvotova (1997, Kyjiw, Ukraine) lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Essen. Sie studierte Freie Kunst an der Kunstakademie Münster. In ihrer künstlerischen Praxis setzt sie sich mit Vergänglichkeit, Transformation und den Spuren von Zeit auseinander. Für das Gartenprojekt entwickelt sie eine partizipative Performance, die von den Heilkräutern und dem überlieferten Wissen ihrer Großmutter ausgeht. Gemeinsam mit den Besucher:innen untersucht sie die Beziehungen zwischen Mensch, Natur und Fürsorge. Dabei entstehen individuelle Tränke als Ausdruck persönlicher Wünsche, Erinnerungen und gemeinschaftlich geteilten Wissens.
Julia Charakter · Installation & Kochperformance
Julia Charakter (*1984, Zhytomyr, Ukraine) ist im Ruhrgebiet, in Dorsten, aufgewachsen und lebt und arbeitet als bildende Künstlerin, Autorin, Regisseurin und Produzentin in Köln. Für ihren Dokumentarfilm „Die Kinder aus Korntal“ wurde sie unter anderem mit dem DEFA-Förderpreis ausgezeichnet und für den Deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert. In ihrer für das Gartenprojekt entwickelten Arbeit Schätze der Datscha verbindet sie persönliche Erinnerungen mit kollektiver Geschichte und erweitert ihre künstlerische Praxis um eine raumgreifende Installation und Kochperformance.
Yasemin Bertel · Partizipative Installation & Workshop
Yasemin Bertel ist Medien- und Theaterwissenschaftlerin. Ihre Forschung und künstlerische Praxis kreisen um Agency und (Un)Zugehörigkeit, (Post-)Migration und Antirassismus – u. a. im Projekt »WUT Archiv« und zuletzt zu Theater als Raum der Erinnerungsarbeit. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Sprache, Erinnerungsarbeit und partizipativen Formaten und entwickelt in Workshops mit Teilnehmenden Found und Blackout Poetry. Für ihre literarische Arbeit wurde sie beim Wettbewerb „60 Jahre Migration aus der Türkei“ ausgezeichnet.
Lisa Jarzynski · Sound, Performance & Plastik
Lisa Jarzynski (*1993, Bochum) lebt und arbeitet in Berlin. Als Tochter einer polnischen Familie arbeitet sie künstlerisch und in der politischen Bildung. Sie studierte Kunst und Deutsch auf Lehramt in Dortmund und studiert Angewandte Kulturwissenschaft und Kultursemiotik in Potsdam. Künstlerisch arbeitet sie mit Sound und Malerei in den Gattungen Performance, Installation und Plastik zu Sprache, Sicherheit und Symbolen. Wissenschaftlich forscht sie zu Patriarchat, Antislawismus und Sexismus. Außerdem ist sie Head of Awareness im RSO.BERLIN.
Paula & David Bakum · Begehbare Installation
Paula Rebekka Bakum (20) ist Architekturstudentin und zuhause im Ruhrgebiet. David Bakum (27) arbeitet als politischer Bildner und Filmkurator in unterschiedlichen Ländern und kommt immer wieder ins Ruhrgebiet zurück. „Der Garten, den wir uns gebaut haben“ ist ihr erstes gemeinsames Kunstprojekt, wobei sie schon seit über 20 Jahren zusammen kreativ sind. Ihre selbstgebaute Holzkonstruktion steht für öffentliche Orte in ihrer Heimatstadt Mülheim an der Ruhr, denen sie im Laufe der Jahre ihre eigenen Geschichten und Bedeutungen zugeschrieben haben.
Vernissage und Finissage
Zur Vernissage am Samstag, 12. September, 14–20 Uhr sind alle herzlich eingeladen. Die Ausstellung endet mit der Finissage am Sonntag, 20. September, 14–17 Uhr.
Begleitprogramm
Vier Workshops und ein Community-Abend laden zum Mitmachen ein. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
| Di, 15.09. 17–20 Uhr | Found Poetry Workshop mit Yasemin Bertel. Was geschieht, wenn vorhandene Sprache neu gelesen wird? Durch Auswahl, Auslassung und Überschreibung entstehen neue Bedeutungen – und die Frage, was sichtbar bleibt und was verschwindet. |
| Mi, 16.09. 17–19 Uhr | Gärten im Krieg – Erde, Ernährung und Erinnerung Workshop mit Daniel Heinz. Wenn Gärten Orte der Versorgung, der Erinnerung und der Selbstorganisation sind, macht ihre Zerstörung besonders deutlich, was gesellschaftlich auf dem Spiel steht. |
| Do, 17.09. 17–20 Uhr | Community-Get-Together mit Projektschmiede Mit Daniel Heinz und dem pbb-Team. Ein offener Abend für Menschen aus NRW, die eigene Projekte voranbringen wollen. Bring deine Idee mit – wir schauen gemeinsam, was sie zur Umsetzung braucht, wo Förderung möglich ist und wer dabei helfen kann. Wer noch keine eigene Idee hat, kommt einfach zum Zuhören und Vernetzen. |
| Fr, 18.09. 17–20 Uhr | Tränke brauen Workshop mit Alla Zhyvotova. Gemeinsam werden Pflanzen zerkleinert, gekocht und zu persönlichen Tränken verbunden. Welche Pflanze trägt die Süße unserer Träume? Welche hilft beim Verzeihen? |
| Sa, 19.09. 16:30–19 Uhr | Die Anastasia-Bewegung – Natur, Rechtsesoterik und russische Märchen Workshop mit Swetlana Nowoshenowa. Wie werden Naturromantik und Siedlungsutopien anschlussfähig für völkisches und verschwörungsideologisches Denken? Im Anschluss: Durak-Community-Abend mit gemeinsamem Grillen. |
Anfahrt und Öffnungszeiten
Garten am Springorum-Radweg, Bochum-Süd
Der Weg ist ab der Haltestelle „Bochum Werk Eickhoff“ ausgeschildert – einfach den Schildern folgen.
Vernissage: Sa, 12.09., 14–20 Uhr
Finissage: So, 20.09., 14–17 Uhr
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 17–20 Uhr
Eintritt frei. Für Ausstellung, Vernissage und Finissage ist keine Anmeldung erforderlich.
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Über das Projekt
G.A.R.T.E.N. steht für GegenwartsAneignung: Räume, Teilhabe, Erinnerung & Neuordnung. Das politisch-künstlerische Projekt der pbb – Postmigrantische Bildung und Beratung gUG verbindet künstlerische Feldforschung mit politischer Bildungsarbeit und fragt: Was lernen wir durch die Perspektive von Gärten über Migration und Demokratie?
Kuratorische Leitung: Hamide Sauer, Kuratorin und Künstlerin mit Schwerpunkt künstlerische Feldforschung und partizipative Stadt-Raum-Interventionen.
Zum Kalendereintrag bei Interkultur Ruhr
pbb
postmigrantische bildung & beratung
Gefördert von Interkultur Ruhr und dem Regionalverband Ruhr. Gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Kuratorische Leitung: Hamide Sauer. Foto Porträt Yasemin Bertel: Sven Bertel. Gestaltung: Klara Kron. pbb – Postmigrantische Bildung und Beratung gUG (haftungsbeschränkt) · pbb-berlin.de · @pbb.berlin


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