Am 14. Mai 2026 jährt sich der Geburts- und Todestag von Magnus Hirschfeld zum 158. bzw. 91. Mal – Anlass genug, einen Tag später Hirschfelds Erbe nicht nur zu würdigen, sondern weiterzudenken: queer, jüdisch, migrantisch, postmigrantisch und solidarisch.
Fachtag „Queerness, Judentum und solidarische Utopien in Berlin-Neukölln“
Vor über 100 Jahren gründete Magnus Hirschfeld in Berlin das weltweit erste Institut für Sexualwissenschaft. Seine Forschung, sein politisches Engagement und sein Ringen um die Rechte queerer Menschen wurden vom Nationalsozialismus zerschlagen – sein Erbe wirkt bis heute. Ausgehend von Hirschfeld als historischer Figur queerer Emanzipation, jüdischer Geschichte, wissenschaftlicher Aufklärung und sozialer Gerechtigkeit bringen wir an diesem Fachtag unterschiedliche Perspektiven zusammen: queer, jüdisch, migrantisch und postmigrantisch.
Gemeinsam wollen wir über politische Bildung, Antisemitismuskritik, Queerfeindlichkeit und solidarische Utopien ins Gespräch kommen – als Teil des landesweiten Magnus-Hirschfeld-Tages unter dem Motto „Berlin schützt den Regenbogen“.
Wann & Wo
📅 15. Mai 2026
🕓 Einlass: 15:30 Uhr · Beginn: 16:00 Uhr
📍 Kleine Freiheit, Nansenstraße 31, 12047 Berlin-Neukölln
🆓 Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich
Programm
16:00 Uhr · Opening
Daniel Heinz (pbb) – „Magnus Hirschfeld: Schwul. Jude. Sozialist.“ Daniel Heinz gibt einen Einblick in die Idee hinter der Veranstaltung und warum es uns wichtig ist, queere, jüdische und migrantische Perspektiven zusammenzubringen. Daniel ist Geschäftsführer der pbb – postmigrantische Bildung und Beratung gUG, Arbeits- und Migrationssoziologe am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück und schreibt im SFB 1604 „Produktion von Migration“ seine Doktorarbeit zu migrantischen LKW-Fahrern.
16:15 Uhr · Keynote
Dr. Dastan Jasim lädt zu einer offenen Bestandsaufnahme von queerer Befreiung, Antisemitismuskritik und antirassistischer Praxis ein. Im Zentrum steht die Frage: Wie benennen wir nicht nur, was wir ablehnen, sondern arbeiten gemeinsam daran, welche Welt wir aufbauen wollen? Dastan Jasim ist Politikwissenschaftlerin, Research Fellow am GIGA-Institut für Nahoststudien in Hamburg und Senior Data Scientist in Paris. Sie analysiert seit Jahren die kurdischen Gesellschaften in Syrien, Irak, Iran und der Türkei.
17:00–18:30 Uhr · Zwei parallele Workshops
„Von Ufos und jüdischen Aliens“
Swetlana Nowoshenowa · Antisemitismus und Queerfeindlichkeit aus dem All. Wie subtil verbinden Verschwörungsgläubige SciFi- und Weltraum-Fantasien mit altbekannten antisemitischen Erzählungen? Im Workshop werden antisemitische und queerfeindliche Codes in Weltraum-Geschichten dekodiert. Swetlana ist Soziologin (M.A.) und politische Bildnerin, Mitgründerin von Palestinians and Jews for Peace.
„‚Dekadenz‘ und ‚Volkstod’“
Furkan Yüksel · Rechte Bildsprache in Geschichte und Gegenwart. Der Workshop untersucht, wie zentrale Narrative aus der NS-Ideologie – zu Homosexualität, Geschlecht, Familie, „jüdischem Einfluss“ – visuell konstruiert wurden und bis heute fortwirken. Furkan ist Bildungsreferent an der Bildungsstätte Anne Frank und Lehrbeauftragter an der EH Ludwigsburg.
Kaffee & Tee stehen bereit – nach den Workshops gibt es vegane Verpflegung (limitiert für 50 Workshop-Teilnehmende).
19:00–20:30 Uhr · Podiumsdiskussion
„Solidarität unter Druck. Wie können gemeinsame Räume heute entstehen?“
Wie sprechen wir über Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und Rassismus, ohne diese Kämpfe gegeneinander auszuspielen? Die Podiumsdiskussion bringt jüdische, queere und migrantische Perspektiven zusammen und fragt, warum solidarische Bündnisse heute oft unter Druck geraten – und was trotzdem möglich bleibt. Im Gespräch geht es um Magnus Hirschfelds politische Aktualität, um Neukölln als umkämpften sozialen Raum und um gemeinsame Utopien jenseits von Konkurrenz.
Mit Riv Elinson (Bildungskollektive radikal_jüdisch und RAGE), Kiril Denisov (Vizepräsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Bildungsreferent an der Bildungsstätte Anne Frank) und Dr. Dastan Jasim. Moderation: Maria Kireenko (Vorstand Pêk Koach – Jewish-Kurdish Women’s Alliance).
20:30–00:00 Uhr · Community-Abend
Nach dem Fachprogramm wird gespielt, geredet, gelacht und neu vernetzt: Das Durak-Kollektiv lädt zum Community-Abend ein. Durak, ein Kult-Kartenspiel aus dem postsowjetischen Raum, schafft, was klassische Networking-Formate oft nicht schaffen: lockere Gespräche, spontane Begegnungen und Community-Erfahrung ohne steife Hierarchien. Keine Vorkenntnisse nötig – einfach dazukommen, Karten ziehen und mit im Spiel bleiben.
Veranstaltende & Förderung
Der Fachtag wird von pbb – postmigrantische Bildung und Beratung gUG in Kooperation mit Pêk Koach – Jewish-Kurdish Women’s Alliance e.V. veranstaltet und ist Teil des landesweiten Magnus-Hirschfeld-Tages 2026 unter dem Motto „Berlin schützt den Regenbogen“.
Förderhinweis: Gefördert durch den Bezirkefonds „Queeres Leben in den Bezirken stärken“ der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung mit Unterstützung der Ansprechperson Queeres Berlin.


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